Leo Gulkanyan (11a) und Justus Schuster (11b) waren ein halbes Jahr lang mit dem „Klassenzimmer unter Segeln“ unterwegs

Januar 2026, irgendwo im panamaischen Regenwald – Das Brüllen der nicht allzu weit entfernten Affen reißt mich aus meinen Träumen und ich schlage die Augen auf. Ich brauche einen kurzen Moment, um zu verstehen, wo ich gerade bin. Ich liege in meiner Hängematte, über mir ein Wellblechdach, neben mir – ebenfalls in ihren Hängematten – meine neuen Freunde, die ich innerhalb der letzten Monate gewonnen habe.

Klassenzimmer unter Segeln, kurz KUS, ist ein Bildungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das nun schon seit 18 Jahren von Oktober bis April stattfindet. Das Konzept des Projektes ist ganz grob zusammengefasst das Folgende: 34 Schülerinnen und Schüler aus 10. und 11. Klassen in ganz Deutschland sind sechseinhalb Monate lang auf einem traditionellen Segelschiff unterwegs; nämlich auf der Thor Heyerdahl: 50 Meter lang, 6 Meter breit und am höchsten der drei Masten circa 30 Meter hoch. Auf diesem Schiff überqueren sie den Atlantik, kommen bei Landaufenthalten z.B. in Panama und Kuba mit neuen Menschen und Kulturen in Kontakt und erlernen Selbstständigkeit, Verantwortung und Teamgeist.

Naja, und wir – das heißt Justus (11b) und ich – wir waren dabei. Wir waren zwei dieser 34 Schüler, zwei der 50 Leute, die auf der Thor miteinander gesegelt, gearbeitet und gelebt haben.

Im Bordalltag hatten wir tageweise abwechselnd Unterricht und haben den Schiffsbetrieb übernommen, denn 24 Stunden lang musste die Thor „von Menschenhand“ gesteuert werden. Geschlafen haben wir in Zweier-, Vierer- und Sechserkammern. Und natürlich gab es auch ab und zu Freizeit, in der wir Karten gespielt, gemeinsam musiziert oder einfach nur gequatscht haben. Der beliebteste Ort dafür war die bordeigene Bibliothek.

Viel spannender waren aber die Landaufenthalte: das erste Mal wieder fester Boden unter den Füßen in Frankreich, der erste längere Landaufenthalt auf Teneriffa, zum ersten Mal amerikanisches Land betreten auf Dominica, der Regenwald Panamas, die „reichste Insel der Welt“ Grand Cayman, Bermuda und seine Mythen, auf den Azoren eine Woche lang mit Zelten unterwegs sein, ohne zu wissen, wo man in der nächsten Nacht schläft, in England 24 Stunden nur mit sich allein sein, mit der niederländischen Küstenwache plaudern oder ein ganz spontaner Abstecher nach Schweden.

Am beeindruckendsten fand ich aber die Zeit in Kuba. Wir waren zunächst mit unseren Fahrrädern unterwegs, über San Dino und das Viñales-Tal zur Federico-Engels-Schule in Pinar del Rio, wo wir mit vielen kubanischen Jugendlichen in Kontakt kamen (mit Zweien schreibe ich heute noch fast täglich), denen wir am Ende unsere Fahrräder gespendet haben, um mit dem Bus weiter nach Havanna zu fahren. Dort verbrachten wir auch einige besondere Tage, zum Beispiel im Gespräch mit der Tochter von Che Guevara, in der deutschen Botschaft und natürlich in der traditionellen Altstadt. Man sah wirklich nur Oldtimer, was aber gleichzeitig ein Spiegel der dort herrschenden Armut ist. Die strengen Sanktionen der USA haben für viele einen Mangel an Nahrung, Wasser und Strom zur Folge.

Seit etwas mehr als einem Monat sind wir nun zurück in Deutschland. Ich denke, wir haben alle immer noch nicht ganz realisiert, was im letzten halben Jahr passiert ist. Wir sind wieder einigermaßen zuhause angekommen, aber der Kontakt mit den anderen KUSis ist natürlich ein großer Teil unserer Leben geworden; fast jedes Wochenende gibt es irgendwo in Deutschland ein Treffen und so bleibt die Reise wohl für immer.

Falls ihr euch für KUS 27/28 bewerben oder euch einfach mal informieren wollt, macht das gerne auf kus-projekt.de oder sprecht einen von uns einfach mal im Schulhaus an. Danke fürs Lesen.

Leo Gulkanyan