Zeitzeugengespräch mit Ernst Otto Krakenberger an unserer Schule

Am 17.12.2025 fand am Riemenschneider-Gymnasium ein Zeitzeugengespräch mit Ernst Otto Krakenberger aus Nürnberg statt. Im Rahmen des P-Seminars „DenkOrt Deportationen – Hören-Hinschauen-Handeln“ luden wir Herrn Krakenberger ein. In dem P-Seminar entstehen Audiobeiträge zum „DenkOrt Deportationen“ am Würzburger Hauptbahnhof. Ein Denkmal, das zur Erinnerung an die aus Unterfranken deportierten Juden errichtet wurde. Der Kontakt zu dem 85-jährigen Zeitzeugen kam durch die Familie einer Schülerin des P-Seminars zustande. Da sich ein Teil der Schülerinnen und Schüler bei ihrer Arbeit mit dem Schicksal von deportierten jüdischen Kindern beschäftigt, kam die Idee auf, Ernst Otto Krakenberger zu einem Gespräch einzuladen. Er wurde als Kind von seinen jüdischen Eltern bei einer befreundeten Familie versteckt, um so vor den Gräueltaten der nationalsozialistischen Diktatur bewahrt zu werden.

Pünktlich um 11:30 begann Herr Krakenberger vor rund achtzig Elftklässlern unserer Schule seinen Vortrag. Nach der Begrüßung und ein paar einleitenden Worten durch einen Schüler des P-Seminars, der den Anwesenden das Ziel des P-Seminars erläuterte, begann Herr Krakenberger seinen Vortrag mit einem Abriss über seine Lebensgeschichte von 1940 bis heute. Hier gelang es dem Vortragenden, ein lebendiges Bild des Lebens zur Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Deutschland und der Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg zu zeichnen. 

Im zweiten Teil seines Vortrags las Herr Krakenberger einen Brief vor, den ihm seine Pflegemutter Margret Stockmann zu seinem 50. Geburtstag geschenkt hatte. Seine Pflegemutter war damals 17 Jahre alt, als ihre Eltern und sie den kleinen Ernst Krakenberger trotz des damit verbundenen Risikos bei sich aufnahmen. Sie hatte Ernst als ihren eigenen unehelichen Sohn ausgeben müssen, sicherlich eine große Herausforderung und Belastung für ein gerade mal jugendliches Mädchen. Alles, was damals geschehen ist, hat seine Pflegemutter für Ernst aufgeschrieben und ihm an seinem 50. Geburtstag die gesamten Aufzeichnungen vermacht. Herr Krakenberger und seine Eltern überlebten den Holocaust und konnten im Jahr 1945 wiedervereint werden.

Nach einem eineinhalbstündigen Vortrag, der von einigen Originalbildern aus dem Fotoalbum der Familie Krakenberger begleitet wurde, schloss Herr Krakenberger mit einem eindeutigen Appell an seine jungen Zuhörer.

Er wünsche sich von der nachkommenden Generation, dass sie die Erinnerung an den Holocaust lebendig halte, keine Schuldgefühle bezüglich der deutschen Vergangenheit hege, sondern wie selbstverständlich die Verantwortung für das Geschehene übernehme und dass sie jeglicher Form von Antisemitismus entschieden entgegentrete.

Angesichts der aktuellen Konflikte im Nahen Osten verlangte er, dass die Bestrebungen um ein friedliches Miteinander zwischen Israelis und Palästinensern nicht abreißen dürften.

Nach seinem Vortrag beantwortete Herr Krakenberger noch zahlreiche Frage aus dem Publikum. So wollte ein Schüler wissen, wie es sich für ihn angefühlt habe, nach drei Jahren wieder seinen leiblichen Eltern gegenüberzustehen. Auch interessierte die Schülerinnen und Schüler, warum Herr Krakenberger zum Katholizismus konvertiert sei und welche Erinnerungen er an die Zeit bei den Stockmanns habe.

Herr Krakenberger beantwortete diese und weitere Fragen mit großer Sorgfalt und Zugewandtheit.

Es war ein großes und immer seltener werdendes Privileg, einen Zeugen dieser dunklen Zeit deutscher und europäischer Geschichte vor Ort berichten zu hören. Dass wir heute Herrn Krakenberger bei uns begrüßen konnten, bestärkt uns in unserem Vorhaben, mit unserem P-Seminar einen Beitrag dazu zu leisten, dass das Gedenken an die aus Unterfranken deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden, sowie das Gedenken an alle Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen nicht in Vergessenheit gerät. Die Zusammenkunft endete mit dem eindringlichen Aufruf Herrn Krakenbergers: „NEVER AGAIN, NIE WIEDER“ – NIE WIEDER IST JETZT!