Im Gespräch mit Morton Rhue

Zwei Oberstufenkurse besuchen die Lesung des prominenten amerikanischen Autors

Dass prominente amerikanische Schriftsteller nicht zwangsläufig schwierig oder arrogant sein müssen, erfuhren die Englisch-Oberstufenkurse 1e1 und 1e2 unserer Schule bei einer Lesung des Jugendbuchautors Morton Rhue in der Stadtbücherei. Rhue erwies sich nicht nur als sehr bodenständig und sympathisch, sondern auch als ernsthaft interessiert an den Fragen und an der Meinung der Schülerinnen und Schüler. Dabei kann es nahezu schon als Sensation gelten, dass es Angelika Riedel von der Stadtbücherei gelungen ist, den weltbekannten Autor, dessen Name einem breiten Publikum spätestens seit der Verfilmung seines Bestellers ″The Wave″ („Die Welle”) geläufig ist, nach Würzburg zu locken.

Rhue las aus seinem neuesten Buch „Dschihad Online”, in dem es um die Brüder Khalil und Amir geht, die scheinbar schon den American Way of Life verinnerlicht haben, dann jedoch durch islamistische Hassprediger radikalisiert werden. Als Vorbild diente Rhue das Brüderpaar Dschochar und Tamerlan Zarnajew, die Attentäter des Boston-Marathons von 2013. Rhue verriet, dass generell die Fiktion in seinen Romanen nur die Oberfläche bildet, während er sich bezüglich der tieferliegenden Kausalitäten stark an der Realität, häufig sogar an eigenen Erlebnissen, orientiert.

Überhaupt gestattete Rhue viele interessante Einblicke in seine Arbeitsweise. Er erzählte, dass immer eine Frage, die er sich selbst stellt, am Anfang eines neuen Romans steht, im Falle des Romans „Dschihad Online” die Frage, wie es zur Radikalisierung scheinbar angepasster junger Männer kommen kann. Daneben gestand Rhue freimütig, dass er einen gewissen Druck und Deadlines bei seiner Arbeit braucht. Für die Schülerinnen und Schüler war darüber hinaus interessant, vielleicht auch beruhigend, zu erfahren, dass Rhue selbst als Schüler zunächst auffällig schlecht lesen und schreiben konnte. Rückblickend sieht er gerade dieses zeitweilige Defizit als seine Motivation an, mit dem Schreiben angefangen zu haben, da er seiner Umwelt beweisen wollte, dass er es eigentlich besser konnte.

Für Schmunzeln sorgte unter Schülern und Lehrern auch, dass Rhue mehrmals durch die entsprechende Wortwahl deutlich machte, wie er über den aktuellen amerikanischen Präsidenten denkt und dass er wenig Verständnis aufbringt für seinen amerikanischen Verleger, dem der Stoff von „Dschihad Online” zu heikel war und der einem ”old white man″ (Zitat Rhue) nicht zutraute, ausreichend Ahnung von der Gedankenwelt jugendlicher amerikanischer Muslime zu haben, weshalb der Roman bisher kurioserweise nur auf Deutsch erschienen ist.

Vielen Dank an Morton Rhue für diese ausgesprochen informative und unterhaltsame Lesung, aber auch an Frau Riedel von der Stadtbücherei dafür, dass sie diese überhaupt erst möglich gemacht hat!