„Jugend ohne Gott” überzeugt

Berührende Inszenierung des Oberstufenkurses „Dramatisches Gestalten”

Dem Oberstufenkurs „Dramatisches Gestalten” ist mit seiner Umsetzung des Romans „Jugend ohne Gott” von Ödön von Horvath (1901-1938) ein großer Erfolg gelungen. In dem 1937 erschienenen Roman unterrichtet der Protagonist, ein junger Lehrer, seine Klasse in Geschichte und Geographie. Während er selbst an humanitären Idealen festhält, sind seine Schüler der Ideologie des Systems hörig.

Zu einem ersten Konflikt mit Schülern und Eltern kommt es dadurch, dass die Hauptfigur die Schüleräußerung, „Neger” seien keine Menschen, nicht unwidersprochen hinnimmt. Als bei einem Zeltlager ein Schüler ermordet wird, muss der Lehrer sich entscheiden, ob er zur Wahrheit steht und damit sein angepasstes Leben und seine Pensionsansprüche auf Spiel setzt.

In dem Roman, der von den Oberstufenschülerinnen und -schülern selbst in ein Drama umgeschrieben wurde, geht es nicht nur um die Kritik an den schrecklichen Zuständen unter der nationalsozialistischen Regierung, sondern es werden auch Fragen über Moral, Ideale, den Glauben und auch die eigene Schuld aufgeworfen, die auch heute noch von großer Bedeutung sind.

Die Umsetzung des schwierigen Romanstoffes in eine überaus berührende Aufführung gelang dem Kurs nicht nur dank einer schwungvollen und originellen Inszenierung, sondern auch dank der hervorragenden schauspielerischen Leistungen der Oberstufenschülerinnen und -schüler. Ein genialer Regieeinfall war es, die Rolle des Lehrers durch die Trennung der öffentlichen Äußerungen und der privaten Gedanken auf zwei Personen aufzuteilen. Auf diese Weise brillierten sowohl Eric Braun (Lehrer/öffentlich) als auch Simon Drexler (Lehrer/ privat).

Aber auch alle anderen Rollen – von der Schuldirektorin (Martha Narang) über die durch die nationalsozialistische Propaganda verblendeten Schüler (Justus Grimm, Nicolas Noe, Daniel Schmitt und andere) bis hin zur Staatsanwältin (Emily Fröhlich), der Richterin (Johanna Vergho) und der Reporterin (Clara Ullrich) – waren stimmig besetzt. Besonders glaubhaft konnte auch Katharina Kusmin die Rolle der Eva ausfüllen.

Herzlichen Glückwunsch an Frau Obrusnik und ihren Kurs zu diesem erneuten Höhepunkt des Theaterschaffens an unserer Schule!